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Region Villach

Ferin sucht nach der großen Liebe

Es war einmal ein kleiner Käfer, namens Ferin, der sehr, sehr einsam war. Jeden Morgen, wenn die Sonne aufging, machte er sich auf den Weg durch Wiesen und Wälder auf der Suche nach einer Partnerin, die er lieb haben und mit der er eine Familie gründen konnte. Doch Ferin hatte wenig Glück bei seiner Suche nach der großen Liebe. Wen auch immer er fragte, er bekam ständig die Antwort: >>Wir passen nicht zusammen. << Die Kuh sagte ihm, dass sie zu groß für ihn sei, die Wolke, dass sie zu weit entfernt war, der Floh, der von der Katze runterhüpfte, meinte, er wäre zu klein. Alle Blumen, die er fragte, sagten ihm, dass Pflanzen und Tiere nicht zusammen passten und eine mächtige, alte Eiche bot ihm zwar an, in einer Ritze seiner Rinde zu wohnen, aber die Liebe fand er auch bei dem großen Baum nicht. Ferin wurde immer trauriger. Der Wind sah, wie verzweifelt der kleine Käfer schon war und hauchte ihm ins Ohr: >> Geh zur Eule, Ferin. Sie wird dir helfen können. << Ferin blickte um sich, konnte aber niemanden entdecken und fast glaubte er, er hätte sich eingebildet, dass ihm jemand geraten hätte, bei der weisen Eule Rat zu holen. Da er aber nichts zu verlieren hatte und ohnehin schon aufgeben wollte, stampfte Ferin los in den dunklen Wald, vorbei an netzstieligen Hexenröhrlingen und lila-grünen Frauentäublingen, an eigelbfärbigen Pfifferlingen und an ein paar giftigen Knollenblätterpilzen, bis er endlich angekommen war bei einer uralten Fichte. Auf einem Seitenast entdeckte er die Eule, die ihre Augen fest geschlossen hielt. Ferin räusperte sich und begrüßte höflich den großen Vogel. Die Eule öffnete die Augen und fragte: >> Wie kann ich dir helfen, Ferin? << >>Ähm<< sagte das Käferchen zögerlich, >>ich suche nach der Liebe und nach jemanden, mit dem ich glücklich sein kann. << >> Dann suche nach Deinesgleichen <<, antwortete die Eule >> und warte bis es Nacht wird, dann schau dich nach einer Partnerin um. << >>Aber<< stammelte Ferin,, doch die Eule unterbrach ihn, sagte ganz ruhig >> Vertrau mir << schloss die Augen und schien in der nächsten Sekunde wieder zu schlafen. Der Käfer traute sich nicht zu widersprechen, hatte aber große Zweifel an dem Rat der Eule. >> Was soll das sein „Deinesgleichen“ und wie soll ich ausgerechnet im Dunkeln jemanden finden?<< fragte sich Ferin, doch weil seine bisherige Suche erfolglos war, tat er, was ihm die Eule geraten hatte. Er kroch unter einen gefällten Baum und schlief ein. Irgendwann in der Nacht wachte Ferin auf, öffnete die Augen und wunderte sich, wie gut er nachts sehen konnte. Er krabbelte aus seinem Versteck und merkte plötzlich, dass jemand vor ihm stand. Als er aufgestanden war, blickte er in die wunderschönen Augen eines Käfermädchens. Ferin verschlug es die Sprache. Noch bevor er einen einzigen Ton herausbrachte, bemerkte er ein seltsames, helles Leuchten hinter ihm. Er drehte sich um, doch das Licht folgte seiner Bewegung. Endlich merkte Ferin, dass er selbst es war, der leuchtetet. >>Was passiert mit mir? << stammelte Ferin. Das Käfermädchen lächelte verlegen und antwortete: >> Du bist ein Leuchtkäfer wie ich und Leuchtkäfer leuchten nur, wenn sie verliebt sind. << In diesem Moment begriff Ferin, was geschehen war. Vor ihm stand seine große Liebe und er wollte sie nie wieder gehen lassen. >> Wie ist dein Name? << fragte Ferin. >>Luzi<< sagte das Käfermädchen und gab Ferin ihre Hand. Ferin sah sie an und bemerkte, dass auch sie nun hell leuchtete. Luzi und Ferin lebten glücklich bin an ihr Lebensende, sie hatten viele Kinder und bis zu ihrer letzten Stunde leuchteten sie, wenn sie sich in die Augen schauten, weil sie so verliebt ineinander waren. 

Der Leuchtstoff, der Leuchtkäfer zum Strahlen bringt, heißt übrigens: Luziferin 

Autor: © Eva Winnicki, alle Rechte vorbehalten 

Wie der Bär ins Pilz Museum kam

Vor langer Zeit lebten im Gegendtal viele Bären. Sie mochten es, durch die Wälder zu streifen, besonders aber liebten sie die Bienenstöcke der Bauern. Diese hatten zwar keine große Freude, wenn ein großer, brauner Fellkoloss die feinen Waben plünderte, aber weil es noch so viele Bienen gab und saftige Wiesen mit den schönsten Blumen, hielt der Ärger nicht lange an. Eines Tages besuchte ein besonders schöner Braunbär, der von Slowenien über die Karawanken nach Kärnten kam, das Tal. Anders als seine Verwandten, hatte dieser es aber nicht auf den Honig, sondern auf die Pilze abgesehen, die in den Wäldern der Einöde, in Winklern und in Treffen in großen Mengen zu finden waren. Was der Bär, namens Nosi, so an den Pilzen liebte, war ihre Vielfalt. Es gab große und kleine, buckelige und spitzhütige, dickbauchige und ganz schlank-stielige. Manche hatten unter dem Hut einen Schwamm, andere Lamellen. Die farbenprächtigen Pilze wuchsen auf dem Waldboden, doch es gab auch welche, die auf Bäumen wuchsen. Nosi kannte sie alle und er wusste auch, welche davon essbar waren und welche man lieber stehen ließ, weil sie schlimme Bauchschmerzen auslösen konnten. Und natürlich erkannte der Bär auch, welche Pilze so giftig waren, dass man nach deren Verzehr sterben konnte.

Ein Jäger, der schon seit langem die Fährte des Bären verfolgt hatte, saß eines Tages oben auf seinem Hochsitz und hörte plötzlich, wie einige kleine Ästen, wohl durch ein umherstreifendes Tier, abgebrochen wurden. Als er nach unten schaute, stand der Bär ganz in der Nähe. Der Jäger wollte bereits sein Gewehr zum Schuss ansetzen, da hörte er menschliche Stimmen, die immer näher kamen. Der Bär blieb ganz ruhig. Er stand in der Nähe einer alten Fichte und schien sich etwas ganz genau anzusehen. Als die Menschen näher kamen, versteckte sich der Bär hinter einem großen Busch. Die Leute, die da in den Wald gekommen waren, suchten Pilze. Unter ihnen war auch ein kleiner Junge, der fröhlich herumlief und seinen Eltern helfen wollte. Der Gefahr nicht bewusst, pflückte der kleine Junge einen Pilz und brach ein Stück davon ab. Gerade als er davon kosten wollte, durchbrach ein ohrenbetäubendes, angsteinflößendes Brummen die Stille des Waldes. Vor Schreck ließ der kleine Junge den Pilz fallen und die ganze Familie rannte davon. Ganz verwirrt von den Ereignissen am Waldboden, zückte der Jäger erneut das Gewähr und als er schon abdrücken wollte, erkannte er, dass der Bär die Menschen nicht verfolgte, sondern die Reste des Pilzes anschaute und dabei den Kopf schüttelte. Schließlich schritt Nosi langsam davon. Neugierig stieg der Jäger von seinem Hochsitz hinunter und ging zu der Stelle mit den Pilzresten. Da erkannte er, dass der Junge einen grünen Knollenblätterpilz gepflückt hatte. In diesem Moment wurde ihm klar, was geschehen war: Nosi hatte die Familie warnen wollen und mit seinem lauten Brummen dem kleinen Jungen das Leben gerettet. Der Jäger erzählte diese Geschichte jedem im Tal und der Bürgermeister verhängte per Gesetz, dass niemand auf Nosi schießen durfte. So lebte der Bär viele, viele Jahre im Gegendtal und rettete noch etlichen Menschen das Leben, indem er sie vor giftigen Pilzen warnte. Als Nosi sehr alt geworden war, legte er sich eines Nachts nieder und erwachte am nächsten Tag nicht mehr. Der Jäger suchte überall nach ihm und fand ihn schließlich friedlich und für immer schlummernd in einer Höhle. Als Dankeschön für die vielen guten Taten, brachten die stärksten Männer des Gegendtales ihren Nosi in das nahegelegene Pilz Museum, wo er alle Zeit bei seinen geliebten Pilzen bleiben darf.

Manchmal sieht man früh morgens Bärenspuren auf dem Fußboden des Pilz Museums und manche Leute glauben, dass Nosi in Vollmondnächten erwacht, durch das Museum wandert und seine geliebten Pilze bewundert.

 

Autor: © Eva Winnicki, alle Rechte vorbehalten 

Die Geschichte von der Rettung der Pilze

Vor vielen hundert Jahren, vielleicht sogar vor tausend Jahren, hatten alle Pilze des Waldes die gleiche Farbe. Sie waren braun wie der Waldboden, auf dem sie wuchsen. Weil sie so unscheinbar und unauffällig waren, kam es immer wieder vor, dass sie von einem Tier oder von einem Menschen unabsichtlich zertreten wurden. Viele der Schwammerln konnten sich bald nicht mehr vermehren, weil ihr Sporenpulver nicht reifen konnte. Die Tiere des Waldes bemerkten, dass die leckeren und auch die giftigen Pilze immer seltener wurden. Sie mussten unbedingt etwas unternehmen, sonst würde es bald gar keine Pilze mehr geben. Das wäre sehr schlimm gewesen, denn manche Pilze dienten als Nahrung für Tiere, andere sorgten dafür, dass aus Blättern und Nadeln wieder neue Erde entstand und ganz viele Pilze gingen über die Wurzeln eine Verbindung mit einem Baum ein und versorgten diesen mit Nährstoffen. Die Tiere wussten also, wie wichtig es war, die Schwammerln vor dem Aussterben zu retten und so schmiedeten sie einen Plan.

Kaninchen, Reh, Wildschwein, Fuchs und Eichhörnchen beschlossen, die Pilze zu bemalen, damit man sie nicht mehr so leicht übersehen konnte. Sofort machten sie sich daran, so viele Farben wie möglich zu sammeln. Dazu pflückten sie unzählige Blütenkelche und baten überall im Wald und auf der Wiese, am Fluss und hoch auf den Bergen um Farbspenden. Die Schmetterlinge flogen in Scharen heran und vom Apollo- bis zum Zitronenfalter klopften alle vorsichtig ein bisschen von ihrem Flügelpulver in die Blütenkelche. Auch die Blumen halfen fleißig mit. Der purpurne Sonnenhut, der lila Storchschnabel, der tiefblaue Enzian, alle schenkten ein bisschen was von ihrer Farbe her, sodass von Schneeweiß bis Rußschwarz, von Tiefrot bis Dunkelviolett alle Farben des Regenbogens und noch viele mehr vorhanden waren. Die schimmernden Flusskiesel im Wasser rieben sich gegenseitig etwas von ihrer Gesteinsschicht ab und selbst glitzerndes Baumharz wurde gesammelt. Trauben, Kirschen und Beeren wurden gepresst, zum Verdünnen der vielen Farben fing man Tau-Tröpfchen auf und die Vögel spendeten Federn, damit die Waldtiere diese als Pinsel verwenden konnten.

An einem wunderschönen, wolkenlosen Sommertag trafen sich die Tiere des Waldes erneut. Es wurde kurz besprochen, wer welche Pilzsorten einfärbte und ausgerüstet mit vollen Farbtöpfchen und Federn machten sie sich daran, die Pilze zu bemalen. Weil es so viele Verschiedene gab, entschieden sie sich, dass manche ihre braune Farbe behalten durften, doch Unzählige erhielten wunderschöne färbige Hütchen oder bunte Lamellen, eine schimmernden Schwamm oder einen farbenprächtigen Stiel. Der Speitäubling bekam einen kirschroten Hut, das Eierschwammerl strahlte fortan in Dottergelb, die Herbsttrompete erhielt ein rußiges Schwarz und ein Träuschling wurde mit glänzendem Grün bemalt. An seinem Orangegelb erkannte man nun den Schwefelporling und verführerisch violett leuchtete der kleine, hübsche Lacktrichterling nun zwischen Blättern und Nadeln hervor. Bei manchen Pilzen wurde ein paar Mal nachgebessert und so erscheint der Frauentäubling seit damals manchmal grau, grün oder violett. Einige Pilze nahmen so viel Farbe auf, dass sie heute noch Blauen, wenn man sie durchschneidet, andere erhielten hingegen nur ein unschuldiges Weiß. Weil der Fichtensteinpilz sein Braun behalten durfte, bemalte man den ganz in der Nähe wachsenden Fliegenpilz dafür umso auffälliger. Der Stiel wurde weiß, das Hütchen rot und schließlich erhielt er auch noch weiße Pünktchen. Erdritterling und Grubenlorchel erscheinen seit damals in einem dezenten Grau, leicht verkohlt wirkt der Habichtspilz mit seinen dunkel geratenen Stellen und der Klebrige Hörnling steht knallgelb am Waldboden und ist nicht mehr zu übersehen.

Es dauerte viele Tage und Wochen, bis die Tiere fertig waren mit ihrer große Malaktion. Doch obwohl es viel Mühe gemacht hatte, waren am Ende alle glücklich und zufrieden mit dem Ergebnis, denn nun kam es nur noch selten vor, dass jemand einen Pilz zertrat. So konnten sich die Schwammerln wieder vermehren und sich überall auf der Welt ausbreiten. Und wie jeder weiß, schmecken essbare Pilze nicht nur gut, sie dienen vielfach auch als Heilmittel.

 Autor: © Eva Winnicki, alle Rechte vorbehalten 

Das Märchen vom Bitterling (Gallenröhrling)

Vor vielen, vielen Jahren kam ein altes Weiblein in ein Dorf und wollte die Leute fragen, ob sie bei ihnen für eine Nacht bleiben könne. Die alte Frau war sehr arm. Sie hatte keinerlei Besitztümer. Alles, was ihr gehörte, trug sie bei sich. Das waren die Kleider, die sie an hatte und ein Korb mit ein paar wenigen Habseligkeiten. Das Dorf schien ihr sehr lieblos, nirgendwo gab es Blumen, man hörte kein Kinderlachen und nicht ein einziges Vögelchen zwitscherte. Trotzdem versuchte die alte Frau, eine Herberge zu finden. Bei der ersten Türe wurde sie abgewiesen, bei der Zweiten wurde ihr erst gar nicht geöffnet. Zum dritten Haus traute sie sich nicht hin, weil die Besitzer ihren Hund losgelassen hatten und dieser laut bellend und knurrend auf sie zulief. Beim vierten Haus zogen die Leute die Vorhänge zu und taten so, als wären sie nicht daheim und rund um das fünfte Haus stand ein unüberwindbar hoher Metallzaun. In dem Dorf gab es noch ein sechstes und letztes Haus, doch weil alle bisherigen Versuche, irgendwo unterzukommen, fehlgeschlagen waren, überlegte die Frau, ob sie dort überhaupt klopfen sollte. Als sie schon weiter gehen wollte, öffnete ein kleiner Junge die Haustüre und deutete der Frau, sie solle doch hereinkommen. Als sie sich näherte, fragte sie nach den Eltern des Buben. Diese waren im Nachbardorf und so trat sie ein. Gleich lief der Junge in die Küche und brachte Milch, Brot und Käse, sodass die alte Frau sich etwas stärken konnte. Der kleine Bub erzählte, dass dies früher einmal ein schönes Dorf mit netten Menschen gewesen ist. Doch vor langer Zeit, verschüttete ein Erdrutsch viele Häuser und begrub Menschen und Tiere unter sich. Jene Menschen, die das Unglück überlebt hatten, wurden traurig und verbittert. Sie mochten sich gegenseitig nicht mehr, sprachen nicht mehr miteinander, weinten viel und wurden zu grauen Gestalten ohne Lebensfreude. Die alte Frau nahm ein kleines Glasfläschchen aus ihrem Korb und gab es dem Jungen mit dem Auftrag, von einem Haus zum anderen zu gehen und die Leute, die dort lebten, um eine Träne zu bitten. Die Tränen sollte der Junge in dem Fläschchen auffangen. Der Bub tat ohne zu zögern, was ihm aufgetragen wurde. Er lief von Haus zu Haus und fragte die Leute nach einer Träne. Mit dem vollen Fläschchen kam der Bub zurück in sein Haus, wo die alte Frau schon auf ihn wartete. Nun nahm sie den Jungen an der Hand und ging mit ihm in den nahen Wald. Schon bald entdeckten sie einen prächtigen Steinpilz. Die Alte und der Junge setzten sich auf den Waldboden. Neugierig lauscht der Junge den Worten der alten Frau. >>Dieser Pilz soll als Zeichen der Trauer forthin ein dunkles Netz am Stiel tragen und als Zeichen der Hoffnung soll seine Röhrenschicht rosig sein, so wie die Wangen des lieben Knaben, der so freundlich und hilfsbereit gewesen ist. Doch der Pilz soll für alle Zeit ungenießbar sein, denn er wird nun alle Bitterkeit der Dorfbewohner in sich aufnehmen<< murmelte die alte Frau. Nun nahm sie das Fläschchen mit den Tränen in die Hand und träufelte Tropfen für Tropfen auf den Pilz. >> Dies sei nun kein Steinpilz mehr, sondern ein Bitterling, der schmeckt wie die giftigste Galle <<, erklärte die Frau dem Jungen. >> Die Leute werden lernen, ihn vom Steinpilz zu unterscheiden, damit er ihnen nicht das Essen verdirbt << Und so geschah es. Als die alte Frau den letzten Tropfen aus dem Fläschchen auf den Röhrling gegossen hatte, standen die beiden wieder auf und gingen zurück ins Dorf. Die Eltern des Jungen standen auf der Straße und unterhielten sich mit den anderen Dorfbewohnern, überall blühten Blumen, die Leute öffneten bei den Häusern die Fenster, damit frische Luft durchströmen konnte, alle schienen fröhlich und gut gelaunt. Die Hühner gackerten und die Vögel zwitscherten von den Bäumen. Der Junge lief zu seinen Eltern und erzählte von den Ereignissen, während sie weg waren. Zu Ehren der alten Frau, die den Menschen ihre Bitterkeit genommen und sie auf den Bitterling übertragen hatte, wurde ein großes Fest organisiert. Alle feierten ausgelassen bis in die späten Nachtstunden. Es wurde gesungen, getanzt und gelacht und endlich waren alle Dorfbewohner wieder glücklich.

 Autor: © Eva Winnicki, alle Rechte vorbehalten 

Die fast wahre Geschichte von der Ameise und den Champignons

Vor langer Zeit lebte die kleine Ameise Hormiga zusammen mit tausenden anderen Ameisen in einem riesigen Ameisenhaufen in Argentinien. Hormiga war eine sogenannte Blattschneiderameise. Diese können mit ihrem Mundwerkzeug Teile aus einem Blatt herausnagen, dann tragen sie den Blattteil in den Bau und essen ihn später. Hormiga liebte die Natur. Ein vorbeifliegender Schmetterling brachte sie ebenso zu träumen wie der Duft einer Orchidee. Mit einer kleinen Schnecke konnte sie sich stundenlang unterhalten, an den Spinnennetzen zupfte sie wie an den Saiten einer Gitarre und auch bunte Flusskiesel, die im Wasser geheimnisvoll glitzerten, begeisterten sie so sehr, dass sie ganz leicht die Zeit vergaß. Wenn sie mit einem Trupp im Dschungel unterwegs war, blieb sie ständig irgendwo stehen. Sie krabbelte unter eine Blume, die ihren Kelch tief auf den Urwaldboden gesenkt hatte, nahm einen Grashalm und kitzelte damit vorsichtig die Blütenstäbchen im Inneren. Der Blütenstaub rieselte auf sie herunter, bis sie überall am Körper gelb war und wie paniert aussah. Sie wartete in ihrem Versteck bis die anderen zurückkamen und sprang dann unter der Blume hervor. Wenn ihre Kollegen dann erschraken, pustete sie den Blütenstaub von sich herunter und lachte aus vollem Herzen. Ameisen sind eigentlich sehr fleißige Tiere und jede Einzelne hat eine Aufgabe zu erfüllen. Deshalb wurde Hormiga oft bestraft, weil sie nur Dummheiten im Kopf hatte. So auch an einem Freitagnachmittag, weil sie ihre Freunde mit Tautropfen bespritzt hatte. Hormigas Strafe war es, die Ameisen-Toiletten sauber machen. Dazu bekam sie eine Schaufel und eine Schubkarre und musste das, was sie und die anderen dort hinterlassen hatten, einschaufeln und aus den Bau bringen. Die kleine Ameise schwitzte, denn es war heiß, stickig und muffig in diesem Raum und so ging sie zum Fenster. Ein Vogel mit langen blauen Federn passierte das Fenster und schon stellte Hormiga sich vor, wie sie hoch über den Wipfeln des Urwalds auf seinem Rücken sitzend durch den Abendhimmel flog. Vor lauter träumen, hatte sie wieder einmal ganz die Zeit übersehen und hörte plötzlich wie der Ameisentrupp aus dem Dschungel zurückkam. Nun hieß es schnell sein, denn sonst würde sie eine weitere Strafe bekommen. Hormiga schaufelte alles in die Schubkarre und wollte es nach draußen bringen. Doch am Gang stolperte sie und alles lag am Boden verstreut. Weil sie sich nicht anders zu helfen wusste, öffnete sie die nächstgelegene Tür, schob mit der Schaufel den ganzen Unrat in den Raum und versteckte sich. Erst als sie draußen keine Schritte mehr hörte, sah sie, dass sie sich im Zuchtraum für Champignons befand. Blattschneiderameisen züchteten schon viele hundert Jahre lang diese Pilze. Mit den Händen mischte Hormiga nun die Abfälle aus der Schubkarre unter die Erde, auf welcher die Pilze wuchsen und schlich danach in ihre Schlafkammer. Sie hatte aber ein so schlechtes Gewissen, dass sie nicht schlafen konnte. Hormiga hatte große Angst, durch ihre Missetat alle Champignons zerstört zu haben. Ein paar Tage lang blieb das, was sie angerichtet hatte, unbemerkt, doch an einem Mittwochmorgen ertönte ein lautes Signal, das bedeutete, dass sich alle Ameisen im großen Besprechungssaal einzufinden hatten. Hormiga zitterte vor Angst. Die Ameisenkönigin trat vor und berichtete, dass es im Raum für Champignon-Zucht einen Vorfall gegeben hatte. Sie bat jene Ameise vorzutreten, die dafür verantwortlich war. Hormiga war zwar verträumt, aber mutig genug, zu ihren Fehlern zu stehen. Mit gesenktem Kopf ging sie vor bis zur Königin. Doch etwas ganz anderes passierte, als die kleine Ameise befürchtet hatte. Die Königin erzählte, dass die Champignons, die in diesem Raum gezüchtet wurden, erstaunlich gut gewachsen waren und dass man nun wisse, dass der Unrat der Blattschneiderameisen als Dünger für die Pilze benutzt werden konnte. Dies war eine große Erkenntnis, die den Ameisen viel Arbeit ersparen und ihnen Nahrung sichern würde. Die Ameisen klatschten und applaudierten. Mit einem Augenzwinkern ermahnte die Königin Hormiga trotz allem in Zukunft weniger verträumt zu sein und die ihr übertragenen Aufgaben genauer zu erfüllen und die kleine Ameise versprach, nun viel braver zu werden. Alle Ameisen des riesigen Ameisenhügels hatten an diesem Tag frei und feierten ausgelassen. Hormiga und ihre besondere Pilz-Zucht wurde weltberühmt und alle Blattschneiderameisen der Welt düngen und züchten ihre Champignons bis heute so wie es die kleine Ameise „erfunden“ hatte.

 

 Autor: © Eva Winnicki, alle Rechte vorbehalten 

Wildschwein Seppl speckt ab

Vor vielen Jahren streunte der verspielte Luchs Spitzohr durch die Wälder der Karnischen Alpen im Süden von Kärnten. Plötzlich vernahm er ein leises Wimmern. Neugierig sah er sich um und entdeckte ein Wildschwein, das angelehnt an einen mächtigen Baumstamm am Waldboden saß und weinte. Der Luchs ging sofort hin und fragte, was denn passiert sei. Das Wildschwein, namens Seppl, erzählte, dass es Pilze, Nüsse und Maronen so lecker fand, dass er immer mehr und mehr davon aß und schließlich dick und unbeweglich wurde. Irgendwann fingen die anderen an über ihn zu spotten und zu lachen und spielten nicht mehr mit ihm. Seppl wurde traurig und einsam. Wenn er seine Freunde um Rat fragte, dann sagten sie nur, er solle doch aufhören zu essen. >>Ich habe oft versucht, nichts mehr zu essen, aber nach zwei Tagen bin ich so hungrig, dass ich es nicht mehr aushalte. Dann esse ich alles, was ich finden kann und bin danach dicker als zuvor<< erzählte das verzweifelte Wildschwein. Spitzohr lauschte aufmerksam Seppls Erzählungen und sagte schließlich: >>Erstens sind das keine echten Freunde, denn es ist gemein, nicht mehr mit dir zu spielen, nur weil du dick bist. Du bist liebenswert, egal wieviel du wiegst! Und der Rat, nichts mehr zu essen, war sehr dumm, denn jedes Lebewesen auf dieser Welt muss essen, egal ob es dick oder dünn ist. Du kannst also nicht einfach damit aufhören!<< >>Aber wie soll ich dann abnehmen?<< fragte Seppl. >>Mit kleinen Veränderungen<< antwortete der Luchs. >>Wenn du es gewohnt bist, jeden Tag 50 Portionen zu essen, dann wirst du ab heute nur noch neunundvierzig essen. Und an Stelle dieser einen Portion, gehst du mit mir eine Runde durch den Wald. Glaubst du, du schaffst das?<< fragte der Luchs das Wildschwein. >>Aber sicher, das klingt ja ganz einfach<< sagte Seppl zuversichtlich. >>Gut, dann versuchen wir das gleich mal<< sagte Spitzohr, doch Seppl wollte lieber einen Tag warten und erst morgen mit dem neuen Plan beginnen. >>Nein<< sagte der Luchs bestimmt. >>Wenn man mit etwas unzufrieden ist und es ändern möchte, dann bringt es nichts, Pläne zu machen und diese dann zu verschieben. Dann wird nichts daraus. Ich werde dich gerne unterstützen, aber ich muss merken, dass du es Ernst meinst!<< Seppl überlegte kurz und sagte: >>Du hast Recht, wie fangen heute damit an und ich danke dir sehr für deine Hilfe. Alleine schaff ich das sicher nicht.<< Spitzohr und Seppl zogen daraufhin los, suchten Pilze, Nüsse, Esskastanien und andere leckere Sachen und zählten genau mit. Als der neunundvierzigste Leckerbissen verputzt war, wollte Seppl nach einem weiteren Pilz greifen, doch Spitzohr schüttelte den Kopf und sagte: >>Nein, Seppl, genug für heute. Jetzt gehen wir spazieren und schauen uns die Landschaft an.<< Und weil der Luchs gleich losmarschierte und Seppl sofort hinterher lief, vergaß er schnell auf den einen Pilz, den er heute schon weniger gegessen hatte. Am nächsten Tag machten sie es gleich, nur, dass diesmal Spitzohr schon beim achtundvierzigsten Pilz „Stopp“ sagte. So reduzierten die neuen Freunde jeden Tag die Portionen und gingen dafür immer größere Runden durch den Wald. Dabei hatten sie so viel Spaß, dass das Wildschwein ganz vergessen hatte, dass es diese ausgedehnten Spaziergänge machte, um abzunehmen. Eines Abends kamen die beiden an einem Teich vorbei und Spitzohr bat Seppl doch ein kleines bisschen näher zu kommen. >>Schau dich mal in der Wasseroberfläche an<<, sagte er. >>Wow<< rief Seppl, >>bin ich das?<< >>Oh ja, das bist du und du kannst stolz auf dich sein! Du hast abgenommen, bist gesund, kannst dich viel besser bewegen und du wirkst recht glücklich<< sagte Spitzohr. >>Ich bin auch glücklich<< rief Seppl >>und das hab ich nur dir zu verdanken!<< >>Oh nein, mein Freund, das hast du ganz alleine geschafft. Am Anfang war es leichter mit mir gemeinsam zu gehen, aber du hast gar nicht gemerkt, wie du unsere Spaziergänge ganz von alleine immer länger und weiter hast werden lassen. Das Durchhaltevermögen, die Ausdauer, die Willensstärke und die Geduld, das alles kommt von dir! Und solltest du irgendwann wieder zunehmen, dann bedenke stets: Auch mit ein paar Kilos mehr auf den Rippen bist du liebenswert und einfach ein superliebes Wildschwein. Und wenn du wieder abnehmen möchtest, dann kannst du das ganz alleine schaffen, denn du weißt ja jetzt wie es geht! Außerdem bist du ein super Freund und ich mag dich so wie du bist! << Seppl umarmte Spitzohr und wie bei ihrer ersten Begegnung hatte er wieder Tränen in den Augen. Diesmal aber vor Freude und Glück!

 

 Autor: © Eva Winnicki, alle Rechte vorbehalten 

Wie der Tintenfischpilz nach Europa kam

Im Gebiet der Karnischen Alpen, nahe der Grenze zu Italien, lebte einst eine arme Familie in einer bescheidenen Hütte. Vater und Mutter arbeiteten sehr hart. Die beiden hatten fünf Söhne, alle fleißig, klug und stark. Als die Eltern die Hoffnung auf ein Mädchen schon aufgegeben hatten, kam doch noch eine kleine Tochter zur Welt. Sie war der Liebling von allen, doch leider war sie oft krank und entwickelte sich nicht gleich, wie ihre großen Brüder. Sie hatte so blasse Haut, dass sie beinahe gläsern wirkte, ihr kleiner Körper war zerbrechlich und schmal und ihr Haar sah aus, als hätte jemand die feinsten Goldfäden auf ihrem Köpfchen versponnen. Die Familie überlegte lang, welchen Namen sie dem Kind geben sollten. Weil sie so zart war wie ein Schmetterling und ihnen der italienische Name so gut gefiel, tauften sie die Kleine auf den Namen Farfalla. Das Mädchen bemühte sich sehr, Ihren Eltern zu helfen. Sie kümmerte sich um die Wäsche, fegte den Boden des Hauses, goss die Blumen und fütterte die Tiere. Doch sie wurde schnell müde und wirkte erschöpft. Farfalla hatte aber eine besondere Gabe. Sie konnte die schönsten Geschichten erzählen. Wenn sie von fernen Ländern, exotischen Tieren, von wilden Kämpfen und abenteuerlichen Entdeckungsfahrten berichtete, wirkte sie gesund und munter. Bevor sie anfing, schloss sie die Augen und nun hatte man das Gefühl, ihre Seele würde auf Reisen gehen und mit einem Abenteuer im Gepäck zurückkehren. Farfallas Wangen färbten sich rot und dann erzählte sie: >>Es war einmal ein junger Mann, der vor vielen Jahren mit einem Schiff von Italien aus nach Australien segelte. Sein Vater hatte ihm aufgetragen, Wolle einzukaufen. Die Seereise war gefährlich und dauerte Monate lang. Nach einer sturmdurchpeitschten Nacht mit meterhohen Wellen kenterte das Schiff nahe der Australischen Küste. Während es viele seiner Kameraden nicht geschafft hatten, wurde Johannes an den Strand gespült. Der Sand knirschte zwischen seinen Zähnen als er versuchte, sich langsam aufzurichten. Doch er war zu schwach und zu erschöpft, seine Haut brannte und am Kopf ertastete er eine blutende Wunde. Schon im nächsten Moment verlor er wieder das Bewusstsein. Viele Tage später erwachte Johannes erneut. Er fand sich in einer bescheidenen Hütte wieder, durch deren Bretter an vielen Stellen die Sonne mit feinen Strahlen herein blinzelte. Johannes stand gerade auf, als ein Mann den Raum betrat. Noch nie zuvor hatte er so eine Gestalt gesehen. Der Fremde hatte dunkle Haut und sein Körper war mit schönen Mustern aus erdigen Farben verziert. Sein dunkles Haar schien direkt in einen ungezähmten Bart überzugehen. Er wirkte gefährlich, doch dann erblickte Johannes das breite Grinsen mit den strahlend weißen Zähnen im Gesicht des Mannes und er wusste, dass er keine Angst haben musste. Ein Lächeln verbindet alle Menschen auf dieser Welt, egal woher sie kommen, woran sie glauben, welches Geschlecht sie haben und wie alt sie sind. Weil die beiden eine unterschiedliche Sprache sprachen, mussten sich Johannes und Adoni mit Händen und Füßen unterhalten. Die beiden schlossen bald Freundschaft und Johannes erfuhr, dass Adoni ein australischer Ureinwohnern war. An einem ihrer vielen gemeinsamen Ausflüge entdeckte Johannes ein fremdartiges Gebilde. Fünf rote Spitzen erhoben sich sternförmig aus dem Dschungelboden. Johannes lernte von seinem Freund, dass dies ein ungenießbarer Tintenfischpilz war. Unabsichtlich zertrat er einen dieser Pilze und Adoni sah ihn kurz böse an. Die Aborigines verehrten und schätzten alles, was in der Natur vorkam. Sie wusste damals schon, dass kein Lebewesen auf dieser Welt umsonst lebte, jedes eine Aufgabe hatte und es wichtig war, auch jene Pilze, Pflanzen und Tiere zu schützen, die nicht essbar waren. Johannes blieb so lange in Australien bis er sich vollkommen erholt, Wolle eingekauft und so viel wie möglich von Adoni gelernt hatte. Irgendwann fand er ein Schiff, das ihn nach Hause brachte. Johannes vermisste seinen Freund sehr und machte viele Spaziergänge durch den Wald. Eines Tages, viele Jahre später, entdeckte er einen Tintenfischpilz im Unterholz. Er erinnerte sich an seinen unachtsamen Tritt auf diesen Pilz in Australien und ihm wurde klar, dass er es wohl gewesen sein musste, der das Sporenpulver dieses Pilzes mit seinen Schuhen nach Europa gebracht hatte. Johannes und Adoni trafen sich leider nie wieder, doch über diesen Pilz schienen sie für immer miteinander verbunden zu sein…<< So beendete Farfalla ihre Geschichte vom Tintenfischpilz. Über die Jahre erzählte sie noch viele solcher schönen Geschichten. Später erfuhr man, dass sich viele davon als wahr erwiesen, doch woher Farfalla das alles wusste, blieb für immer ein Geheimnis.

 

 Autor: © Eva Winnicki, alle Rechte vorbehalten 

Wie die Pilze ihre Namen erhielten

Vor vielen Hundert Jahren lebte ein Junge namens Tim in einem kleinen Ort im Kärntner Gitschtal. Tim war sieben Jahre alt und langsam wurde es Zeit für ihn, die Schulbank zu drücken. Während es die anderen Kinder kaum erwarten konnten, Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen, freute sich Tim gar nicht auf den Unterricht. Er dachte, er würde dann nie mehr Zeit haben, um in den Wald zu gehen, um Pilze zu sammeln. Das liebte er nämlich sehr. Doch alles Jammern half nichts und Tim musste - wie jedes Kind - zur Schule gehen. Meistens saß er mit verträumten Blick im Klassenzimmer und starrte beim Fenster hinaus, während die anderen Kinder brav lernten, übten und wiederholten. Tim war nur ein mittelmäßig guter Schüler. Er zeigte keinerlei Ehrgeiz oder Interesse. So wurde er zum Außenseiter und Einzelgänger. Die anderen Kinder lachten über ihn und behaupteten, er wäre dumm. Immer öfter begannen sie mit Tim am Schulhof zu streiten. Der kleine Junge litt sehr darunter und so wollte er bald gar nicht mehr zur Schule gehen. Er weinte und bat die Eltern, doch zu Hause bleiben zu dürfen. Doch Tim musste gehen. Die Kinder hänselten ihn weiter und verspotteten ihn am Schulhof als Dummkopf. Tim wehrte sich und rief zurück: >> Lasst mich doch in Ruhe, ihr kugelfischbauchigen Glockenblumenegel, ihr entenschnabeligen Zwiebelzapfen, ihr brombeeräugigen Bohnendrosseleln und ihr pflaumenkuchenohrige Tomatenfische<<. Als die Schüler schon fast rauften, ging eine junge Lehrerin dazwischen und nahm Tim zur Seite. >>Ich habe gehört, dir macht die Schule keinen Spaß. Stimmt das?<< fragte sie Tim. >>Ja<< sagte Tim, >>denn ich weiß nicht wofür ich mich anstrengen soll. Alle sagen, ich würde fürs Leben lernen, aber ich weiß nichts vom Leben. Ich möchte einfach nur im Wald sein und Pilze sammeln und diese dann am Markt verkaufen. Dafür muss ich kein guter Schüler sein. Und außerdem kann ich nichts besonders gut. Ich habe halt kein besonderes Talent<< >>Morgen ist Samstag, also ist die Schule geschlossen<< sagte die Lehrerin, >>würdest du mir den Gefallen machen und mich mitnehmen in den Wald? Dann zeigst du mir alle Pilze, die du kennst<< >>Ja, das mach ich gerne<< sagte Tim mit strahlenden Augen und er freute sich sehr auf den gemeinsamen Spaziergang mit seiner Lehrerin. Wie ausgemacht, trafen sich die beiden am nächsten Tag. Tim hörte gar nicht mehr auf zu erzählen und zu reden und die Lehrerin konnte seine Begeisterung spüren. Bei jedem Pilz, den ihr Tim zeigte, fragt die Lehrerin nach dessen Namen, doch Tim sagte immer nur >> Dieser Pilz hat keinen Namen<< Nach einigen Stunden setzen sie sich auf ein moosiges Fleckchen. Dann sagte die Lehrerin: >>Mein lieber Tim, hast du mir nicht erzählt, du möchtest später einmal Pilze sammeln und sie am Markt verkaufen?<< >>Ja, das ist mein großer Wunsch<< antwortete Tim. >>Aber stell dir vor, du stehst hinter deinem Marktstand und kannst nicht gut rechnen, dann werden dir die Leute weniger Geld geben, als dir zusteht<< Tim dachte nach und nickte schließlich zustimmend. >> Und stell dir weiter vor<< sagte die Lehrerin >>du möchtest deine Pilze verkaufen und kannst bei jedem nur hindeuten und deine Kunden fragen „meinen Sie diesen?“ Was fehlt da, Tim?<< Wieder dachte der kleine Junge nach und sagte dann >>Die Namen<< >>Ganz genau<< sagte die junge Lehrerin >>und du hast ein ganz besonderes Talent, lieber Tim! Du kannst so tolle Wörter erfinden! Solche Wörter wie am Schulhof hab ich noch nie zuvor gehört. Ich mag es zwar nicht, wenn ihr Schüler euch gegenseitig beschimpft, aber es klingt allemal lustiger „warzenochsiger Fliederzahn“ als Dummkopf oder noch Schlimmeres zu jemanden zu sagen. Also, Tim, sei du der Junge, der den Pilzen die Namen gibt, damit sie jeder auseinanderhalten kann und du sie an deinem Marktstand anbieten kannst. << Und so geschah es. Tim lernte ab jetzt in der Schule brav mit. Er verstand endlich, wie wichtig es war, dass er gut rechnen konnte und auch, dass es nötig war, schreiben und lesen gut zu beherrschen, damit er die Namen, die er den Pilzen gab, auch aufschreiben konnte. Tims Phantasie kannte keine Grenzen und so findet man auch heute noch in den Pilzbüchern Namen wie: fuchsiger Rötelritterling, geselliger Glöckchennabeling, gelbstieliger Muschelseitling, ziegelroter Schwefelkopf, grüner Anistrichterling, Fichtenzapfen-Nagelschwamm, behangener Faserling und Hohlfuß Schuppenröhrling. Tim gab vielen Pilzen einen schönen Namen. Natürlich tauften auch andere Leute den einen oder anderen Schwamm, aber da kam nichts Phantasievolles mehr heraus. Deshalb heißen einige nur Steinpilz oder Eierschwammerl. Die schönsten Namen aber ließ sich der kleine Tim einfallen und er wurde zum besten Schüler der ganzen Schule.

 

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Der geheime Eingang in die Zauberwelt

Wie alle Kinder wissen, leben Elfen, Zauberer, Feen, Hexen, Gnome und Zwerge in einer ganz eigenen, für Menschen unsichtbaren Welt. Nur manchmal, wenn es etwas ganz Wichtiges zu erledigen gibt, dann verlassen die magischen Wesen ihre geheimen Plätze und kommen zu den Menschen. Doch ihr Aufenthalt ist begrenzt, denn innerhalb von acht Stunden müssen sie den Eingang in ihr zu Hause wieder passiert haben, sonst müssen sie einen Tag lang in der Menschenwelt bleiben und laufen Gefahr, entdeckt zu werden. Eines Tages mitten im tiefsten Winter musste eine kleine Gruppe von Elfen ausrücken, denn ein Schneemann hatte zu viel Zauberpulver verschluckt und war deshalb bei Sonnenaufgang immer noch lebendig, anstatt starr und gefroren im Garten zu stehen. Er hüpfte wie verrückt durch den frischen Schnee und versuchte mit seinem Mund Schneeflocken zu fangen. Wenn ihn ein Mensch so entdeckt hätte, dann wären alle Wesen der Zauberwelt für immer enttarnt worden und hätten nie mehr in Ruhe leben können. Die Menschen hätten eine Dummheit nach der anderen begangen und darauf vertraut, dass die Zauberwesen ihr Fehlverhalten wieder in Ordnung bringen würden. Das hätte dazu geführt, dass kein Mensch mehr aus seinen Fehlern gelernt hätte. Deshalb war das oberste Gesetz der unsichtbaren Welt, geheim und verborgen zu bleiben. Die fünf Elfen mussten also schnell sein und den lebendig gewordenen Schneemann wieder einschlafen lassen, bevor ihn jemand sah. Die Mädchen mit den spitzen Ohren schlichen sich also in die Welt der Menschen. Dies ging aber nur mittels spezieller Ein- und Ausgänge. Wenn irgendwo zwei Spiegel einander gegenüberstehen, dann spiegelt der eine den anderen und ein unendlich langer Gang entsteht. So etwas gibt es nicht allzu oft und so mussten die Elfen erst nach so einem Ausgang suchen. An einem alten Apfelbaum, der in genau jenem Garten stand, wo der Schneemann gerade herumtanzte, hatten die Besitzer ganz viele verschiedene Spiegelchen aufgehängt. Wenn der Wind leicht hineinblies, dann drehten sich die Spiegel und genau wenn zwei aufeinander gerichtet waren, war das Portal der Zauberwelt für wenige Sekunden offen und sie konnten herausschlüpfen. >>Schnell, schnell<< rief eine der Elfen >>wir müssen ihn stoppen und dann noch seinen Spuren verwischen<<. Die fünft flogen zwischen dem dichten Schneegestöber hin zum hüpfenden Schneemann, setzten sie sich auf seine Karottennase und ermahnten ihn zur Ruhe. Doch der Schneemann wollte nicht hören und schüttelte die Elfen ab, so dass alle im tiefen Schnee landeten. >>Na, gut, dann halt auf die harte Tour<< sagte eine der Elfen, nahm ihren Zauberstab und zeigte auch den anderen Elfen, dass es nun ernst werden würde. Mit geballter Zauberkraft schleuderten sie einen heftigen Blitz auf den Popo des Schneemanns und brachten ihn so zum Stillstand. Der schaute ganz schön verwundert drein, doch rühren konnte er sich nicht mehr. Da bemerkte die älteste der Elfen, dass eine von ihnen fehlte. >>Wo ist Cassi?<< fragte sie aufgeregt die anderen, doch auch die wussten es auch nicht. In den Nachbarhäusern gingen die ersten Lichter an und die Elfen hatten es furchtbar eilig, die vielen Spuren im Neuschnee zu verwischen. Mit winzig kleinen Besen fegten sie über den ganzen Garten und als es gerade wieder günstig war, betraten sie durch die Spiegel am Baum wieder die Zauberwelt. Doch Cassi blieb zurück, denn sie war so tief in den Schnee gefallen, dass sie sich nicht mehr allein befreien konnte. Da kam ein kleines Mädchen aus dem Haus, stieg mit ihren Regenstiefelchen durch den Schnee und hob die kleine Elfe vorsichtig hoch. Sie sagte zur Elfe, dass sie alles von ihrem Fenster aus beobachtet hatte und Cassi weinte vor Angst. Doch das Mädchen beruhigte sie. >>Bitte vertrau mir. Ich werde dir nichts tun und dich auch nicht verraten, aber du musst bald wieder nach Hause. Es ist zu gefährlich, wenn ich dich auf den Spiegelbaum setze, denn es wird hell und die Vögel können dich sehen. So klein wie du bist, könnten sie dich für einem Wurm halten!<< sagte die Kleine. >>Nach dem Mittagessen fahre ich mit meiner Familie ins Pilz Museum, dort gibt es oben bei den Kristallen auch einen geheimen Spiegelgang. Da werde ich dich absetzen<< Cassi fürchtete sich, spürte aber die Ehrlichkeit und gute Absicht des Mädchens und ließ sich von ihr ohne Widerstand ins Pilz Museum bringen. Cassi bedankte sich, kletterte zwischen den Kristallen des Ametysten, die sich tausendfach spiegelten, zurück in die Zauberwelt und erst als sie wieder zu Hause war, fragte sie sich, warum das Mädchen so gut über die geheimen Portale und die Gesetze der Zauberwelt Bescheid gewusst hatte. Doch dieses Geheimnis konnte Cassi nie lüften. Was sie aber gelernt hatte, war: Wahre Herzenswärme kann man spüren und Vertrauen ist manchmal das einzige, das zählt.

 

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Das Zauber-Pilzpulver

In einem kleinen Kärntner Ort lebten einst vier Brüder in einem alten, heruntergekommenen Holzhaus. Ihre Eltern und Großeltern waren gestorben und so war niemand da, der ihnen etwas Vernünftiges beibringen konnte. Die Vier wurden unbeliebte Raufbolde, die in der ganzen Gegend gefürchtet waren. Sie waren nicht nur zu Menschen gemein und gewalttätig, sondern auch zu Tieren und wenn sie gar kein passendes Opfer fanden, dann beschimpften und schlugen sie sich gegenseitig. Weil sie recht jung waren und noch keinen Beruf erlernt hatten, gab es genügend Zeit für Dummheiten und so spazierten sie gerne gemeinsam durch die Wälder, rissen Äste ab, zertraten Pilze, verscheuchten Tiere und schlugen alles kurz und klein, das ihnen in den Weg kam. Die anderen Leute aus dem Dorf wurden immer zorniger, denn nichts und niemand war vor den vier Burschen sicher. Bei einer geheimen Sitzung wurde entschieden, eine im tiefen Wald lebende, alte Frau aufzusuchen und um Rat zu fragen. Per Los wurde ermittelt, wer zu ihr gehen und sie um Hilfe bitten musste. Alle Erwachsenen schrieben ihren Namen auf einen Zettel und legten ihn in eine Box. Wohl aus Angst, gewählt zu werden, schummelte einer von ihnen und so wurde statt seines Namens, der eines jungen Mädchens aufgerufen. Aus lauter Feigheit widersprach niemand und so musste sich die kleine Flora gleich am nächsten Morgen auf den Weg zur weisen Frau machen. Dort angekommen, erzählte sie vom Problem im Dorf und die Alte hörte aufmerksam zu. Dann sagte sie: >>Liebe Flora, ich werde euch gerne helfen. Ich gebe euch ein Pulver, das aus vier Pilzen zubereitet ist. Es besteht aus der im Frühling wachsenden Spitzmorchel, dem schmackhaften Sommersteinpilz, der samtig-schwarzen Herbsttrompete und dem winterlichen Schnee-Schwammerl. Weiters werde ich ein Schreiben an die Dorfbewohner verfassen, das du bitte nach deiner Rückkehr allen vorlesen wirst<< Flora tat, was ihr die alte Frau aufgetragen hatte und gleich nach ihrer Ankunft wurde eine weitere Sitzung einberufen und das ganze Dorf versammelte sich im Gemeindesaal. Flora stellte sich auf einen Sessel, damit sie auch in den hinteren Reihen jeder sehen und hören konnte. Dann nahm sie das Pulver aus ihrer Tasche und hielt es hoch. >>Bravo Flora<< riefen die Dorfbewohner >>du hast uns ein Zauber-Pilzpulver mitgebracht, das uns endlich von den vier bösen Burschen befreien wird<< Jubel brach aus und die Leute klatschen laut. Dann nahm Flora den Brief aus der Tasche und begann vorzulesen: >> Liebe Dorfbewohner! Ihr habt vier junge Burschen unter euch, die euch das Leben schwer machen. Sie sind unerzogen und richten viel Schaden an. So kann das nicht weitergehen!<< Wieder klatschen die Leute >>Ihr habt die mutige Flora zu mir geschickt und ich kann euch nur beglückwünschen, dass ihr so ein tapferes Mädchen unter euch habt.<< Erneut gab es Beifall. >>Doch ihr anderen seid feige Kreaturen<< las Flora weiter und schlagartig wurde es still im Raum. >>Es ist eine Schande, dass ihr alle zugelassen habt, dass ein kleines Mädchen allein durch den Wald gehen musste, um von mir Hilfe zu holen!<< Flora holte tief Luft. >>Doch noch viel schlimmer ist, dass vier Kinder ihre Eltern verloren haben und niemand von euch sich ihrer angenommen hat. Was soll aus Kindern werden, die keinen Halt haben, keine Familie, keine Erziehung, keine Liebe? Kinder, die ohne Gutenachtgeschichte aufwachsen, die sie vor Alpträumen schützt? Ohne Wärmeflasche, wenn sie Bauchweh haben? Ohne eine Umarmung, wenn sie traurig sind? Ihr alle seid dafür verantwortlich, was aus diesen armen Waisenkindern geworden ist.<< Flora machte eine kurze Pause, denn große Betroffenheit war im Raum spürbar und die meisten Menschen hatten aus Scham den Kopf gesenkt. Sie las weiter. >>Das Pilzpulver hat tatsächlich Zauberkraft, denn es vereint die Stärken aller vier Jahreszeiten in sich. Und so wird es verwendet: Ihr werdet eine herrliche warme Kartoffelsuppe kochen und diese mit dem Pilzpulver verfeinern. Ihr werdet die Burschen zum Essen einladen und mit ihnen gemeinsam die Suppe verspeisen. Und ihr werdet euch ihre Sorgen und Ängste anhören und ihnen etwas geben, das sie in den letzten Jahren nicht hatten: Hoffnung! Ihr werdet dafür sorgen, dass es für die Burschen nie wieder einen Geburtstag ohne Glückwünsche gibt, nie wieder ein aufgeschlagenes Knie ohne Pflaster, nie wieder Tränen, ohne eine tröstende Umarmung und nie wieder ein Weihnachtsfest, ohne Christbaum und funkelnde Kerzen. Ihr alle werdet für die Vier eine Familie sein und innerhalb eines Jahres wird sich alles verändern!<< Und so geschah es. Die vier Burschen wurden fleißige, hilfsbereite und verlässliche Mitbürger und über dem großen Tor des Gemeindeamtes steht bis heute: Verändere dich selbst, dann verändert sich alles!

 

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